02.02.22: Ein Gänsegeier fliegt mit Lufthansa


Am Mittwoch, 26.01. reiste die junge Gänsegeier-Dame „Wally“ per Luftfracht nach Bulgarien. Ganz früh am Morgen wurde sie in eine Transportkiste gesetzt, die für Lufttransporte im Flugzeug geeignet ist. Von Straubing aus wurde „Wally“ zuerst nach München gefahren, wo sie dann im Flugzeug in Richtung Sofia abhob. In Sofia wurde sie nach nur 4stündiger Flugzeit bereits von den Mitarbeitern der Naturschutzorganisation Green Balkans erwartet. Mit dem Auto ging es dann umgehend weiter nach Stara Zagora.

 

Nach etlichen missglückten Zuchtversuchen schlüpfte „Wally“ am 08.04.2021 als langersehnte Erstnachzucht im Tiergarten Straubing. Umso mehr freut es die Mitarbeiter des Tiergartens, dass das erste Küken in ein Auswilderungsprojekt übergegeben werden konnte. Durch die Spenden aus dem Artenschutztrichter konnte der Transport nach Bulgarien bezahlt werden. Somit hat sich jeder spendende Besucher auch an diesem Projekt beteiligt.

 

Nach einer gewissen Quarantänezeit wird „Wally“ in eine Auswilderungsvoliere im Naturpark Sinite Kamani gebracht, wo sie sich an die neue Umgebung gewöhnen kann und erste Kontakte mit ihren ortsansässigen Artgenossen hat. Bereits nach wenigen Monaten wird sie sich den wilden Gänsegeiern anschließen und auf sich gestellt sein. Die Mitarbeiter von Green Balkans bieten aber an Futterplätzen genügend Futter für die Geier an.

Durch an den Flügeln angebrachte Markierungen, die die Geier beim Fliegen nicht stören, können die Mitarbeiter von Green Balkans jeden Geier identifizieren und so zu deren Schutz beitragen. So kann auch die Straubinger „Wally“ beobachtet werden, wenn sie hoch oben in den Lüften ihre Kreise dreht.

 

Die Naturschutzorganisation Green Balkans hat 2010 erstmals mit einer Geier-Auswilderung gestartet. Neben den Geiern setzen sich die Mitarbeiter von Green Balkans auch für andere Greifvögel und die Bewahrung der Natur ein. Ihre Arbeiten können auf www.greenbalkans.org verfolgt werden. Unterstützt werden sie von Zoos wie dem Tiergarten Straubing, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der Stiftung zum Schutz der Geier und dem Fund for Wild Flora and Fauna.

 

Heute leben und brüten die meisten Gänsegeier in Spanien, aber auch die Bestände in Bulgarien werden wieder größer. Früher waren Gänsegeier auch in Mitteleuropa beheimatet.

Ausgerottet wurden sie aber im letzten Jahrhundert unter anderem durch ausgelegte Giftköder. Die Menschen sahen in den Geiern eine Bedrohung ihrer Weidetiere, was aber keineswegs stimmt. Gänsegeier fressen, ebenso wie auch andere Geierarten, nahezu nur tote Tiere. Sie übernehmen daher die Aufgaben einer Art „Gesundheits- und Hygienepolizei“ in der Natur und verhinderten dadurch die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen.

Heute machen den Geiern die tierseuchenhygienischen EU-Verordnungen das Leben etwas schwer, da diese das Entfernen von Tierkadavern festlegen und damit den Geiern ihre Nahrungsgrundlage entziehen. Nur wenigen Naturschutzorganisationen ist es gestattet, Futter in Form von Kadavern für die Geier auszulegen.

 

 

 

 

  

 

 

 

Foto: Gut verpackt in einer für den Flugtransport geeigneten, sogenannten IATA-Box wird Geierdame „Wally“ in Straubing abgeholt um nur zwei Stunden später von München aus in Richtung Sofia abzuheben.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Simeon Marin, verantwortlicher Leiter des Gänsegeierprojekts von Green Balkans, nimmt „Wally“ am Flughafen Sofia in Empfang. Weiter ging es dann mit dem PKW nach Stara Zagora.

 

 

 

 

  

 

  

 

Foto: Mit den Markierungen an den Flügeln, die die Geier beim Fliegen nicht stören, kann „Wally“ in der Natur zu jederzeit von den Mitarbeitern der bulgarischen Naturschutzorganisation Green Balkans identifiziert werden.

 

 

 
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